Achtung – Schule brennt! *)

Glosse von Albert H. Keil

Zwar über-, aber nicht bestanden hat der Neubau des Kurfürst-Ruprecht-Gymnasiums Neustadt seine sprichwörtliche Feuertaufe.

Als am 7. Februar 1968, der wohl als ein Schwarzer Mittwoch in die Neustadter Chronik eingehen wird, um 15:21 Uhr die Sirenen zu der Feuerlichkeit riefen, da schien die Angelegenheit für den Löschzug noch ein kleiner Fisch zu sein. Doch eine Stunde später konnte man schon bis zur Unterhaardt den kapitalen Braten riechen, der offensichtlich über Gebühr angebrannt war – dies bewies eine kilometerlange und träge nach Norden ziehende Rauchfahne.

Der rote Hahn, der sich ausgerechnet das geteerte Dach des Musentempels zum Balzplatz ausgesucht hatte, wehrte sich bis in die Nacht hinein erfolgreich gegen seine Widersacher, die ihn mit Speyerbachwasser ertränken wollten. Dabei haben schon die alten Griechen ihre Scheiterhaufen mit Wein gelöscht! Herostratos von Ephesos, der Oberste aller Feuerteufel, rächte sich für den gerade hier in der Pfalz unverzeihlichen Mißgriff und beschäftigte die Brandwachen bis zum nächsten Morgen.

In dessen Licht präsentierte sich der Neubau ziemlich ruiniert und wies fatale Ähnlichkeit mit einem Altbau auf. Es drängte sich der Vergleich auf mit einem, der – aus Versehen in einen Grill geraten – sich durch eine Kneippkur vor dem Geröstetwerden bewahren wollte.

Zu hoffen bleibt, daß nicht der Speyerbach aus seinem Laufrhythmus gebracht wurde und sich in seinem Bett staut. Sonst könnte den Nachfahren des Kurfürsten Ruprecht noch blühen, daß sie in einem Pfahlbau mit Dachschaden den Musen huldigen müssen.

*) © 8. Februar 1968 by Albert H. Keil, Mußbach

Vortrag am 28. November 2019 im Casimirianum Neustadt
beim historischen Rückblick auf der 50-Jahr-Feier des KRG-Neubaus