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Immer nur „Eile“ *) Von Albert H. Keil Als 1986 Gerold von Braunmühl von der sich selbst so nennenden RAF ermordet wurde, ging ich noch von Pirmasens aus meiner Arbeit nach. Kurz nach dem Mord fahndeten die Ermittlungsbehörden im Rahmen einer XY-ungelöst-Sendung, die damals freitags ausgestrahlt wurde, auch nach einigen Autokennzeichen. Da fiel mir ein, dass am Rand der Autobahn 8, die ich abendlich von Neunkirchen nach Pirmasens heimwärts befuhr, schon einige Tage lang ein Pkw mit einem dieser Kennzeichen stand. Natürlich wollte ich meine Entdeckung gleich weitermelden. In der Ära vor Handy und Internet war dies aber gar nicht so einfach, denn von der beim Generalbundesanwalt in Karlsruhe angesiedelten Telefonnummer ertönte während und nach der XY-Sendung ständig das Besetztzeichen. Endlich, nach 22 Uhr, kam ich durch. Eine freundliche Sekretärin informierte mich allerdings, dass „die Herren schon gegangen“ seien. Sie werde jedoch gerne eine Notiz von mir aufnehmen, damit man mich zurückrufen könne. Ich gab an, im Fall von Braunmühl etwas zu einem gesuchten Auto sagen zu können, und wollte Namen und Telefonnummer aufschreiben lassen. Das Notieren des Telefons bereitete keine Probleme, wegen meines Namens allerdings entwickelte sich etwa folgender Dialog: „Und Sie heißen Heil?“ – „Nein, Keil!“ – „Aha, Weil!“ – „Nein, Keil. Keil wie Donnerkeil!“ – „Aha, ich hab’s notiert.“ Dann fuhr ich wieder täglich zum Arbeitsplatz, von dem aus ich keine Privatanrufe tätigen durfte. Eine Woche nach der XY-Sendung hatte mich immer noch niemand zurückgerufen. Deswegen probierte ich nach meiner abendlichen Heimkehr noch einmal die Karlsruher Telefonnummer. Eine Männerstimme meldete sich. Es war – der Hausmeister. Und natürlich sagte er: „Alle Herren sind längst zu Hause.“ Sein Angebot indessen, meinen Rückrufwunsch zu notieren, nahm ich gerne an. Das weitere Gespräch verlief ganz ähnlich wie dasjenige acht Tage zuvor: „Sie heißen also Heil?“ – „Nein, Keil!“ – „Aha, Beil!“ – „Nein, Keil. Keil wie Donnerkeil!“ – „Aha, ich hab’s notiert.“ Wiederum eine Woche später, in der sich nichts getan hatte, sagte meine Frau, als ich abends heimkam: „Du, da hat vorhin einer vom Bundeskriminalamt in Meckenheim angerufen, der wollte den Herrn Donnerkeil sprechen. Hier ist die Nummer, er ist noch bis 20 Uhr am Arbeitsplatz.“ Ich läutete an, und es meldete sich ein Ministerialdirigent. Na, dachte ich, wenn das ein Untergeordneter gewesen wäre, dann hätte der längst Feierabend! Als ich meinen Namen nannte, lachte er: „Sie heißen also nicht Donnerkeil! Ich fand den Namen zwar komisch, glaubte aber, dass Sie wirklich so heißen. Hier hab ich nämlich gleich zwei Notizzettel, auf denen steht: Fall Braunmühl – bitte Herrn Donnerkeil zurückrufen.“ *) © 2021 by Verlag PfalzMundArt, Dirmstein
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