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Blindgänger
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Von Albert H. Keil
3. Preis beim Sickinger Mundartdichter-Wettstreit 2015
En weiße Stock, e gääli Binn,
ganz vorsichdich de Gang –
so kummt er bei de alde Linn
ums Eck, die Sunnestrooß entlang.
Er heert die Audos näwedra(n)
un vun de Lait die Tritt.
Mol weicht er aus, mol halt er a(n)
un zehlt mit Sorchfalt jeden Schritt.
Am Iwwerwääch helft känner dann,
känn Bloomann un känn Nerz.
Owwer sich do nät froocht, der Mann:
Sinn alle Mensche blind – im Herz?
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© 2015 by Verlag PfalzMundArt, Dirmstein
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Blindgänger
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Von Albert H. Keil
Hochdeutsche Transkription
Mit weißem Stock und gelber Binde,
ganz vorsichtig der Gang –
so kommt er bei der alten Linde
den Sonnenweg entlang.
Er hört die Autos nebenan,
von Menschen ihren Tritt.
Mal weicht er aus, mal hält er an
und zählt mit Sorgfalt jeden Schritt.
Am Überweg hilft keiner dann,
kein Blaumann und kein Nerz.
Ob er sich da nicht fragt, der Mann:
Sind alle Menschen blind – im Herz?
**)
© 2015 by Verlag PfalzMundArt, Dirmstein
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