Stationen *)

Hochdeutsche Fassung   → Pfälzische Urfassung

Sonett von Albert H. Keil

Die Illusionen hab’ im Urwald ich verloren,
Daheim war jeder arm unds Wetter schwül und heiß.
Der Tschad wars erste Zwischenziel von meiner Reis’,
Der Wüstenwind bläst Sand in Augen und in Ohren.

In Libyen läuft der Angstschweiß mir aus allen Poren,
Ich fürchte, dass gleich einer von den Wächtern schießt.
Da hab’ mein allerletztes Geld ich eingebüßt –
Und wär’ im Mittelmeer im Holzboot fast erfroren.

Am Rettungsschiff geh’n drei Verwandte über Bord.
Italien – zwei Tag’ Trauerrast auf meiner Fahrt!
Dann sitz’ im Zug nach Deutschland ich, will nur noch fort.

In München bräucht’ ich Hilfe, doch ich bleib’ allein.
Stattdessen hock’ ich auf ’nem Amt und wart’ und wart’.
Zum Schluss heißt’s: Abschiebung, ’s darf keiner mehr herein!

*) © 2021 by Verlag PfalzMundArt, Ahrensburg
In: Literarischer Verein der Pfalz e. V. (Hrsg.): Neue Literarische Pfalz (NLP). Nr. 49 (2023), Landau 2023.