Letzter Brief an einen Freund *)
(16. April 1932 – 2. Dezember 2017)

Von Albert H. Keil

Lieber Wolfgang,

manche mögen Dich als mitunter sehr direkt oder gar grob erfahren haben. Ich dagegen habe Dich ganz anders in Erinnerung.

Mitte der 1990er Jahre lernten wir uns zunächst auf Parteiebene kennen. Damals imponierte mir, dass Du, obwohl Du gerade erst die 60 überschritten hattest, Dich schon stark machtest für die Belange von Senioren. Nicht zuletzt auf Deinen Bemühungen basierte bald darauf die Gründung des Seniorenbeirats. Dann haben wir auf kulturellem Gebiet zusammengearbeitet, und ich konnte Dich bei der Einweihung „Deines“ Eckbach-Mühlenwanderwegs mit meinem Gedicht „E klänni Mihleg’schicht“ überraschen. Du hast es auswendig gelernt und bei Deinen Wanderweg-Führungen gelegentlich vorgetragen. Unsere Wege haben sich immer wieder getroffen, sei es bei Vorstandssitzungen des Gemeindeverbands, bei der 250-Jahr-Feier der Dirmsteiner Laurentiuskirche, bei der Eröffnung des Mühlenmuseums in Großkarlbach oder bei dem Fest, das die Partei zu Deinem 75. Geburtstag ausgerichtet hat.

Nun hast Du die Mühseligkeiten überstanden, die Dir das Alter in den letzten Jahren bereitet hat. Träum davon, Wolfgang, dass der Geist zählt und nicht das Geld, dass Bücher voller Wappen wichtiger sind als Arsenale voller Waffen, dass Nächstenliebe stärker ist als Ellenbogen.

Ruhe in Frieden, Wolfgang Niederhöfer!

Dein Freund Albert


*) © 2017 by Verlag PfalzMundArt
Veröffentlicht in: Spätlese. Periodikum des Seniorenbeirats Leiningerland. Grünstadt, März 2018